français
english
Deutsch
Search | E-mail 
Home
Die Mineralienbörse
Souvenirs
Denkmale des Bergbaus
Bergwerke Geschichte
Bergbautechniken der Renaissance
Die Mineralbildung
Regionale Mineralogie
Mineralien- und Fossilien-Galerie
Best of...
Links
Unsere Partner
Kontakt
Site Map
Help
Bergbautechniken der Renaissance in Sainte-Marie-aux-Mines
von Frédéric LATASSE
Lüftung und Entwässerung :
Frischluftzufuhr, die sogenannte Bewetterung, war eine der Hauptsorgen der Bergleute. Waren die unterirdischen Gänge erst einmal über mehrere hundert Meter ins Gestein getrieben, wurde die Arbeit wegen Luftmangels schwierig oder ganz unmöglich. Um diesem Übel abzuhelfen, installierten die Bergleute schon im 16. Jahrhundert ausgetüftelte Systeme zur künstlichen Belüftung. Dabei verwendeten sie vor allem Zwischendecken, die unter dem First des Stollens verliefen.

Das Prinzip der Bewetterung ist einfach: man verbindet den Stollen mit einem nach draußen führenden Hilfsschacht, dem sogenannten "Lichtloch". Er befindet sich ein paar Meter vom Stolleneingang entfernt. Durch den Temperaturunterschied zwischen der Grube (wo man das ganze Jahr über etwa 9 Grad mißt) und der Außenwelt entsteht ein Luftstrom, den die Bergleute durch das Einziehen einer Zwischendecke, eines Wettertragwerkes, kanalisierten. So konnten sie die Frischluft bis in die abgelegensten Teile des Bergwerks leiten.

Diese Zwischendecken sind heute verschwunden, aber wir können in den Hauptstollen noch über mehrere hundert Meter ihren Spuren folgen. So entdeckt man vor allem Kerben im Fels, in denen die Tragbalken hingen, und Spuren von Ton (mit dem die Ritzen zwischen Stollenwand und Zwischendecke abgedichtet wurden).

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken !
Belüftungssystem im Stollen. Dargestellt ist die Richtung des Luftstroms im Winter.
(F. Latasse)
Neben dem Mangel an Frischluft waren Schwierigkeiten mit der Entwässerung der zweite Hauptgrund, weshalb man die Erzförderung in manchen Stollen aufgab. Meist genügte aber eine einfache Rinne in der Stollensohle, um das Wasser Richtung Ausgang ablaufen zu lassen. Wo das Gangsystem jedoch ausgedehnter war und die Bergleute das Sickerwasser nicht mehr in den Griff bekamen, zögerten sie nicht, einen Entwässerungsstollen, den sogenannten "Erbstollen", auszuheben. Diese Erbstollen waren manchmal sehr lang (so maß der von Fertrupt 8 Kilometer), und man trieb sie vom tiefsten Punkt eines Tales aus in den Berg hinein. Ihre Fertigstellung konnte mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Wenn man mit dem Erzabbau bis unter das Talniveau ging oder der Erbstollen noch nicht mit dem Abbauort verbunden war, mußten die Bergleute notgedrungen zu künstlichen Entwässerungssystemen greifen. Hielt sich das Sickerwasser in Grenzen, genügten einfache Handpumpen oder Ledergefäße, die man wie Eimer verwendete und über Winden bis an den Einsatzort schaffte, um die niedriggelegenen Abbauorte trockenzuhalten.

Wenn der Abbau jedoch in sehr große Tiefen ging (in Fertrupt bis 300 Meter unter die Talsohle), griffen die Bergleute zu Kolbenpumpen, die bisweilen von hydraulisch angetriebenen Rädern (den "Kunsträdern") in Gang gehalten wurden. Diese Pumpen waren entweder draußen aufgestellt, oder sie befanden sich in unterirdischen Räumen auf einer Höhe mit dem Erbstollen.

Diese Entwässerungssysteme, die wir aus Archivdokumenten und historischen Abbildungen kennen, konnten wir vor Ort nicht mehr wiederentdecken, denn die Bereiche des Bergwerks, in denen sie eingesetzt wurden, sind gegenwärtig nicht zugänglich. Doch zeugt allein schon das Prinzip ("Wasser durch Wasser zum Versiegen bringen") von der technischen Meisterschaft und dem Erfindungsreichtum der Bergleute des 16. Jahrhunderts.

So stellt das Bergwerksgebiet von Sainte-Marie zweifellos eines der schönsten Beispiele für polymetallische Gruben in dieser ehemaligen Provinz des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation dar. Es vermittelt uns eine Vorstellung davon, wie weit die "technologische Revolution" in Bergwerksdingen damals ging.

Durch das Ausmaß der gegenwärtig zugänglichen Streckenabschnitte und ihren guten Erhaltungszustand ist unser Gebiet noch heute ein bevorzugtes Terrain für das Studium historischer Bergbautechniken.
 
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.04.2002