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| Bergbautechniken der Renaissance in Sainte-Marie-aux-Mines |
von Frédéric LATASSE
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Der Schachtausbau : Hölzerne Ausbauten sind in den Bergwerken von Sainte-Marie relativ häufig; es gibt sie allerdings meist nur in den Schächten. Für holzverkleidete Stollen aus der Renaissancezeit findet man nämlich, abgesehen von ein paar an den Eingängen befindlichen hölzernen Korridoren, in den Gruben von Sainte-Marie keine sichtbaren Belege. Die spitzbogige Form der Stollen reichte schon aus, um den Fels in einem natürlichen Gleichgewicht zu halten; es war also nicht nötig, ihn durch Stollenausbauten zu stützen. In den letzten Jahren sind mehrere Korridore und Stollenvorbauten zum Gegenstand archäologischer Ausgrabungen geworden. Die hölzernen Eingangskorridore sollten das instabile Umgebungsterrain festigen und vor allem den Raum sichern, in dem die Bergleute und die Hunte zirkulierten. Diese Korridore weisen alle die gleichen Merkmale auf: Es gibt aufrechte Holzpfosten, die ein wenig zur Mitte hin geneigt und oben durch einen "Hut" verbunden sind, wodurch das Ganze ein trapezförmiges Profil erhält. Hinter diesen hölzernen Rahmen wurde eine Reihe waagerechter Bohlen geschoben, so daß man einen hermetisch geschlossenen Kasten erhielt. Der Raum zwischen hölzerner Wand und Fels wurde wahrscheinlich verfüllt. Die verschiedenen archäologischen Untersuchungen bestätigten die Einsichten, die man aus den historischen Abbildungen gewonnen hatte, von denen aus jener Periode zahlreiche erhalten sind.
Die Erzgänge von Sainte-Marie hatten eine subhorizontale Form, waren mehrere Dezimeter stark und erstreckten sich in Höhe und Länge oftmals über mehrere tausend Quadratmeter. Sie wurden auf systematische und gut organisierte Weise abgebaut, und zwar in Stollen, die sich über mehrere Etagen erstreckten, wobei man meist oben begann und sich bis in die tieferen Ebenen voranarbeitete. Die Abbaustellen waren einstmals von Baugerüsten und hölzernen Zwischendecken durchzogen, über welche man die einzelnen Arbeitsorte erreichen konnte. Diese verschiedenen Arten der Grubenzimmerung sind praktisch allesamt verschwunden, und es überdauerten nur die in die Seitenwände gehauenen Kerben, in denen einst die Holzbalken klemmten.
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3 Hölzerne Schachtausbauten in der Grube "Ulmer Zech I". Teilrekonstruktion von F. Latasse, November 1991 |
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Ein Schacht ist ein mehr oder weniger senkrecht verlaufender Teil des Bergwerks. Er wurde angelegt, um Material und Bergleute zu den tiefergelegenen Abbaustellen zu bringen. In der Renaissance verbreiteten sich kaskadenartig aufeinanderfolgende Schächte allgemein. So konnte man in sehr große Tiefen vordringen und die Erzader in ihrer ganzen Ausdehnung abbauen.
Schächte wurden immer von oben nach unten abgeteuft; ihr rechteckiger Querschnitt kann von sehr unterschiedlicher Größe sein (durchschnittlich 2,5 x 1 Meter), und ihre Tiefe geht selten über 26 Meter hinaus.
Am oberen Ende des Schachtes war ein Raum eingerichtet, die sogenannte Hornstatt, wo man sich um die Beförderung des Erzes kümmerte und die Seilwinde betätigte. Dieses fundamentale Kennzeichen unterscheidet einen Schacht von ähnlichen senkrechten Gängen, die keine solche Einrichtung besaßen. Wo der Fels hart ist, ist die Hornstatt bemerkenswert gut herausgehauen und weist häufig ein oder zwei Nischen in den Seitenwänden auf, durch die man eine leichtere Handhabung der Seilwindenkurbel ermöglichen wollte. Am oberen Schachtrand gibt es sorgfältig behauene Kerben zur Aufnahme der Holzbalken, welche die Seilwinde trugen.
Leider sind die hölzernen Dachaufbauten der Schächte heute verschwunden, und bis heute war es uns auch nicht möglich, eine intakte Windevorrichtung zu finden. Beim Auspumpen von Schächten haben wir allerdings etwas vom früheren hölzernen Ausbau des Schachtinneren wiedergefunden und konnten uns so eine recht klare Vorstellung davon machen, wie eine solche Grubenzimmerung in der Abbauperiode ausgesehen hat. Der Schachtausbau war nämlich der Länge nach in zwei Teile gegliedert. Auf der einen Seite gab es eine senkrechte Reihe von Leitern, die mit Haken an Querbalken eingehängt waren; die andere, viel geräumigere Seite war mit hölzernen Gleitstangen versehen und diente dazu, die Kübel per Seilwinde hinauf- oder hinabzubefördern (siehe Abbildung).
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| Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.06.2007 |
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