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| Bergbautechniken der Renaissance in Sainte-Marie-aux-Mines |
von Frédéric LATASSE
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Das manuelle Aushöhlen der Stollen und Schächte hat noch einen anderen Vorteil: Man kann wichtige Indizien sofort erfassen und "die Gelegenheit beim Schopfe packen", so etwa, wenn bestimmte Anzeichen das Vordringen in den Berg erleichtern (man wird zum Beispiel gern einer Gesteinsspalte oder Bruchlinie folgen) oder den eigentlichen Erzabbau nach sich ziehen oder vorbereiten (wenn man vor Ort auf bestimmte Mineralien trifft).
So wird sich der Bergmann während seiner gesamten Arbeit bemühen, dem Stollen die praktisch definitive Form zu geben. Sein einziges Ziel wird darin liegen, so rasch und so bequem wie möglich an die produktiven Zonen zu gelangen.
Im allgemeinen wurden die Stollen von zwei Bergleuten gleichzeitig ausgehoben. Auf diese Weise kam man pro Tag doppelt so weit voran. Der Bergmann, der am weitesten vorn arbeitete (Hauer), bearbeitete den oberen Teil des Stollens, den "Sitzort" mit einer Höhe von durchschnittlich 1,40 m. Er führt den wichtigsten Teil der Abhiebarbeiten aus. Der andere Bergmann höhlt den Boden des Sitzortes weiter aus, um dem Stollen die endgültige Form und Höhe zu geben. Außerdem gibt er darauf acht, daß der Stollen ein Gefälle von etwa einem Prozent erhält, so daß das Wasser auf natürliche Weise zum Ausgang abfließen kann. Er muß aber auch aufpassen, daß das Gefälle nicht zu stark wird, da es sich in einem zu sehr ansteigenden Stollen nicht gut arbeitet.
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Die Grube "Rouge Myne Saint-Nicolas de la Croix" in einer zeitgenössischen Darstellung von H. Gross
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Besonders interessante Informationen über die langwierigen Aushöhlungsarbeiten, welche noch weit über das gegenwärtig zugängliche Grubensystem hinausreichten, vermittelt uns die Untersuchung von behauenen Frontwänden und Werkzeugspuren. Die behauenen Frontwände befinden sich ganz am Ende eines Stollens. Sie allein bezeugen schon, wie rationell die Aushubmethoden waren. Manche dieser Frontwände sind richtige Skulpturen; mit ihren Absätzen und Einschnitten bilden sie die letzte, für immer im Stein bewahrte Etappe einer unvollendeten Arbeit.
Die genaue Untersuchung der Werkzeugspuren, die man an den Seitenwänden der Stollen sehen kann, ist von grundlegender Bedeutung, wenn man sich in einem Grubenbereich befindet, in dem mehrere Abbauperioden aufeinander folgten. An der Ausrichtung der Spuren können wir feststellen, in welche Richtung der Stollen ausgehöhlt wurde, und so ein genaueres Bild von der Dynamik des Erzabbaus in einem Bergwerk gewinnen.
Die Beförderung der Abbauprodukte : Der beim Aushub anfallende Abraum wird schnell zum Hindernis, wenn man ihn nicht gleich fortschafft. Man sammelte diesen Abraum in regelmäßigen Abständen in hölzernen Kübeln und schüttete ihn entweder in Wagen, die sogenannten Grubenhunte, oder aber in Bottiche, die am Grunde eines Schachtes standen, von wo sie später mit Seilwinden fortgeschafft wurden.
Der Gebrauch von Hunten, die auf einem Rollweg montiert waren, war im 16. Jahrhundert allgemein verbreitet. Man konnte dadurch in Stollen, die mehr als fünfzig Meter lang waren, die Hinausbeförderung der Abbauprodukte rationalisieren und optimieren. Wenngleich es uns nicht möglich war, diese Hunte in den Gruben von Sainte-Marie vor Ort aufzufinden, können wir dank alter Abbildungen doch eine ziemlich genaue Vorstellung von ihrer Form und ihrem Fassungsvermögen gewinnen.
Solch ein Wagen bestand aus einem hölzernen Kasten, der zwischen 150 und 300 Kilogramm Mineralien fassen konnte, und vier Rädern (vorn zwei kleine, hinten zwei größere), die unter dem Wagen fest verankert waren, so daß sie nicht nach Links und rechts einschwenken konnten. Diese Räder hatten keinen direkten Kontakt zur Stollensohle, sondern liefen über einen hölzernen Rollweg. Ein Spurnagel, der vorn am Wagen angebracht war und zwischen den beiden Holzschienen entlangglitt, erlaubte es, den Hunt an Stollengabelungen und in Kurven zu manövrieren.
In den Stollen von Sainte-Marie stößt man besonders häufig auf Überbleibsel dieser Rollwege. Manche von ihnen waren bei der Wiederentdeckung außergewöhnlich gut erhalten und wurden zum Gegenstand archäologischer Untersuchungen.
Diese Wege bestehen aus aneinandergefügten schmalen und flachen Holzstücken (von den deutschen Bergleuten im 16. Jahrhundert "Gestangen" genannt). Zwischen den beiden Schienen lag ein Abstand von 35 cm. Die Gestangen waren an Verbindungsstücken befestigt, die quer im Stollen lagen und häufig unten an den Seitenwänden festgeklemmt waren. Manchmal ruhten sie nicht auf dem Boden, sondern hingen "in der Luft", damit das Wasser an der Stollensohle entlang ablaufen konnte.
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| Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.04.2002 |
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