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Regionale Mineralogie : Die Mineralien von Sainte-Marie-aux-Mines
Herkunft des Artikels: Projekt Euromin www.cri.ensmp.fr/euromin/
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Lydie Touret (ENSMP)
Die Mineralien von Sainte-Marie-aux-Mines zeichnen sich durch die Reichhaltigkeit ihrer Vorkommen sowie Qualität und Verschiedenartigkeit ihrer Kristallisationen aus. Das Gebiet verdankt seinen Ruhm vor allem den verschiedenen Silbererzen und übrigen silberhaltigen Mineralien.
Die Gesamtproduktion von Silber ist auf mehrere hundert Tonnen geschätzt worden, wobei die Grube mit der reichsten Ausbeute Saint-Guillaume im Wald von Saint-Pierremont war. Nachrichten von historischen Glücksfunden sind uns überliefert: So entdeckte man im Jahre 1530 einen Block gediegenen Silbers, der einen Zentner puren Metalls ergab. Probestücke von diesem Fund sandte man an Kaiser Karl V. Erwähnenswert ist auch die folgende Entdeckung: In der Nacht vom 17. Oktober 1581 fand ein Bergmann namens Claus Schirbald einen Silberblock, der 592 Kilogramm auf die Waage brachte.
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Gediegenes Silber
Sainte-Marie-Aux-Mines
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Foto Stein
Die Bergleute von damals haben die Erzadern allerdings bis zur Erschöpfung ausgebeutet. Heute kann man nur noch wenige historische Fundstücke sehen, obwohl manche aufgrund ihrer Qualität vor dem Einschmelzen bewahrt geblieben waren. Seit dem 16. Jahrhundert scheinen die Mineralien von Sainte-Marie-aux-Mines wegen der hohen Güte ihrer Kristallformen eine gewisse Anziehungskraft auf Sammler ausgeübt zu haben.

Im Jahre 1574 bitten die Herzöge Friedrich und Wilhelm von Bayern den Herrn von Rappoltstein um Musterstücke von Erzen. Zwei Jahre später teilt der Landrichter Haubinsack demselben Adligen mit, daß er dem Erzherzog Ferdinand von Österreich Probestücke geschickt habe. Im 18. Jahrhundert werden die naturwissenschaftlichen Kabinette zahlreicher. Von ihnen sind uns schriftliche Spuren in Form von Katalogen überkommen, so der 1768 erstellte "Systematische und kommentierte Katalog der Kuriositäten aus Natur und Kunst, welche das Kabinett des Herrn Davila bilden". Wie Monnet uns mitteilt, entdeckte man im Jahre 1770 ineinander gewundene Fäden gediegenen Silbers, die zu Blöcken gruppiert waren oder ganz feine Zweiglein bildeten. Diese Stücke verkaufte man fast ausschließlich an naturgeschichtlich interessierte Sammler.

Das Pariser Museum für Naturgeschichte bewahrt einige alte Stücke, darunter gediegenes Silber aus dem Kabinett des Königs Ludwig XVI.. Es hat die Form kleiner gedrehter Fäden von mehreren Zentimetern Länge. Der Dichter Goethe, der nebenbei auch ein talentierter Mineraloge war, hatte sich für seine Sammlung zwei Skudderudite und einen koralligen Aragonit aus Sainte-Marie-aux-Mines beschafft.


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Tetraedrit
Sainte-Marie-Aux-Mines
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Foto P.Fluck
Die systematische Sammlung des Mineralogischen Museums an der École des Mines in Paris bewahrt etwa fünfzig Mineralienarten aus Sainte-Marie-aux-Mines: Allanit, Aragonit, Silber, Arsen, Karbonat-Cyanotrichit, Chalkophyllit, Chalkopyrit, Chloanthit, Chondrodit, Datolith, Flos ferri (Eisenblüte), Galenit oder Bleiglanz, Guerinit, Haidingerit, Hörnesit, Lautit, Monohydrokalzit, Parasymplesit, Pikropharmakolith, Pharmakolith, Proustit, Pyrargit, Pyromorphit,
Proustite
Sainte-Marie-Aux-Mines
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Foto P.Fluck
Rammelsbergit, Rauenthalit, Rossieresit, Sainfeldit, Safflorit, Sphalerit, Tennantit,
Rammelsbergit
Sainte-Marie-Aux-Mines
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Foto H.Bari
Tetraedrit, Tirolit, Weillit. Hier werden auch Exemplare von bisher unbekannten Mineralien aufbewahrt, die erst vor kurzem in Sainte-Marie-aux-Mines entdeckt wurden
Weitere Musterstücke finden sich in öffentlichen oder privaten Sammlungen in Frankreich, anderen europäischen Ländern sowie in Übersee. Die auf uns gekommenen Exemplare sind allerdings nur ein schwacher Abglanz der großartigen Fundstücke von einst. Beinahe das gesamte Erz war natürlich für die metallurgische Verarbeitung bestimmt gewesen ... Und die Fundstücke aus jüngerer Zeit sind noch bescheidener als jene, welche die Wirren der Geschichte überdauerten. Es ist wirklich schade, daß die besten Musterstücke nicht besser für die Nachwelt bewahrt wurden.

Die Mineralien von Sainte-Marie-aux-Mines sind schließlich aufgrund ihrer Vielfalt bemerkenswert. Schon Monnet hat dies im Jahre 1780 unterstrichen: "Die Gruben von Sainte-Marie-aux-Mines, das Val de Lièpvre, wo sich die meisten Bergwerke dieses Gebietes befinden, hätten in ihrer Glanzzeit ganz allein ausgereicht, um das ganze Spektrum einer mineralogischen Sammlung abzudecken." An anderer Stelle schreibt er: "Die Gruben von Sainte-Marie übertrafen alle anderen an Reichtum und Vielfalt der Mineralien." Monnet scheint der erste Autor gewesen zu sein, der eine objektive Beschreibung der Mineralien von Sainte-Marie-aux-Mines lieferte; wir verdanken ihm vor allem eine Studie über das Kerargyrit oder Chlorsilber.

De Dietrich bekräftigt Monnets Ansichten. "Selten hat der Bergbau eine größere Zahl verschiedener Mineralien zutage gebracht als in Sainte-Marie-aux-Mines, selten waren sie so interessant und kostbar für den Liebhaber. Man hat hier zu verschiedenen Zeiten gediegenes Silber gewonnen, und zwar in Spitzen, Blättchen, Haarform oder oberflächlichen Ablagerungen als Silberglanz, 'Rotsilber' und 'Grausilber', in Gestalt von Kristallen oder in massiven Blöcken." Ein kürzlich erstelltes Inventar unterscheidet mehr als fünfzig Primärerze mit ihrem Umgebungsgestein (das heißt solche, die sich während der eigentlichen Entstehung der Erzadern ablagerten), ebenso viele Oxydations- und Zementationsmineralien (die sekundär entstanden, nachdem Oberflächenwasser eingesickert war) und mehr als dreißig Neubildungsmineralien (die sich in ehemaligen Bergwerksanlagen nach Ende des Abbaus auskristallisieren).

Die Silbermineralien werden vor allem durch das gediegene Silber repräsentiert, das meist in Tuffs auftritt oder in Form von mehr oder weniger gewundenen Drähten, manchmal auch in Gestalt von Dendriten aus Anhäufungen z. T. gestreckter Oktaeder. An weiteren Silbermineralien gibt es hier die "Rotsilber" der alten Bergleute (Proustit, Pyrargyrit), das Hornsilber oder Kerargyrit, den Silberglanz oder Argentit. Mehrere Exemplare von Proustit, Argentit und gediegenem Silber werden im Verzeichnis von Davila beschrieben. Monnet erwähnt einen Glücksfund aus dem Jahre 1758, als man auf einen Block von mehr als fünfzig Pfund massiven Rotsilbererzes stieß, das mit Hornsilber vermischt war. Einige Probestücke wurden von diesem Block abgetrennt und in verschiedenen Kabinetten aufbewahrt: "Am bemerkenswertesten ist jener, welcher von einem großen Rotsilberkristall gekrönt wird, in dessen Mitte man einen Zweig gediegenen Silbers sieht, welcher seinerseits von sehr kleinen Kristallen desselbigen Rotsilbers geziert wird." Andere silberhaltige Mineralien kommen seltener vor, so Xanthokon, Miargyrit, Argentopyrit, Dyskrasit, Polybasit, Aramayoit, Pearceit, Dervillit, Matildit und Pavonit. Übrigens ist Silber auch in Galenit (Bleiglanz) und Weißgüldigerz eingeschlossen, den beiden silberhaltigen Mineralien, die wegen ihrer reichen Vorkommen die größte wirtschaftliche Bedeutung hatten.

Arsen kommt in verschiedenen Mineralien vor, so in den Weißgüldigerzen. In Sainte-Marie-aux-Mines ist es dort besonders bemerkenswert, wo es massiv in gediegener Form auftritt, nämlich in den Erzgängen Sankt-Jakob und Sankt-Wilhelm. Gediegenes Arsen hat das Aussehen grauschwarzer, bisweilen zusammengewachsener Nieren; seltener ist es stäbchenförmig oder tritt in Einzelkristallen auf, deren Oberfläche sich rasch verfärbt, da sich dort Arsenolit bildet. Das Metall ist in der Grube "Gabe Gottes" von 1932 bis 1940 abgebaut worden.
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Pikropharmakolith
Sainte-Marie-Aux-Mines
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Foto P.Fluck

Kupfer ist in Form von Chalkopyrit (Kupferkies) gewonnen worden. Die in der Grube Engelsburg gefundenen Kristalle auf Quarz zählen zu den besten, die man von diesem Mineral kennt. Vor nicht zu langer Zeit hat man in einer Kalzit- und Ankeritader der Grube "Himmlische Heer" bemerkenswerte kristallisierte Aggregate gefunden. Hier erreichen die idiomorphen Kupferkieskristalle eine Größe von sieben Zentimetern (S. Stein und M. Haag, 1987). Weißgüldigerz, Tennantit und Tetraedit sind vor allem wegen ihres Gehalts an Silber abgebaut worden. Die Bergleute früherer Epochen bezeichneten sie auch als "Grausilber". Allgemein ist es so, daß das Tennantit (eine arsenhaltige Variante) im Neuenberg vorherrscht, während das Tetraedrit (Kupfer-Antimon-Sulfid) auf lothringischer Seite dominiert. Diese beiden Erze wurden in den erwähnten Gebieten am häufigsten abgebaut. Tetraedrit enthält oft ein Prozent Silber, manchmal auch bis zu fünf Prozent. Die Region von Sainte-Marie-aux-Mines soll beinahe 5000 Tonnen Kupfer geliefert haben.

Galenit (Bleiglanz) war das häufigste Silbererz des Altenbergs. Seine (manchmal abgestumpften) Würfel können sowohl am Altenberg als auch im Erzgang Sankt-Ludwig am Neuenberg eine Größe von mehreren Zentimetern erreichen. Bleiglanz enthält ungefähr 0,06 % bis 0,1 % Silber. Durch Kupellieren wurde es vom Blei geschieden.

Das Bournonit ist berühmt für seine Kristallbildungen im Erzgang Musloch. Zinkblende (Sphalerit) tritt in idiomorphen Kristallen auf, die manchmal Edelsteinqualität haben. Exzellente Stücke dieses Minerals wurden vor einigen Jahren von R. Ubel, D. Bucholtz und H. Loda entdeckt. Skutterudit wurde in 2 - 3 cm großen Kubooktaedern und in Dendritenform beschrieben. Rammelsbergit und Safflorit bilden Kugeln mit strahlenförmiger Struktur. Der Erzgang Sankt-Jakob ist für sein Lautit berühmt; es handelt sich um eine der besten bekannten Lagerstätten dieses Minerals. Das Dervillit ist im Jahre 1982 von H. Bari und seinen Mitarbeitern neu definiert worden, nachdem Ungemach und später Weil wichtige Vorarbeiten auf diesem Gebiet geleistet hatten.

Kobaltblüte (Erythrin) fand man in den Gruben Sankt Christian und Zum Treu. Cuprit, Cornubit, Cyanotrichit, Agardit, Klinoklas (früher "Aphanese" genannt), Parasymplesit, Skorodit und etliche andere Oxydationsmineralien sind im Erzgang Sankt-Johannes besonders gut ausgebildet.


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Phaunouxit
Sainte-Marie-Aux-Mines
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Foto P.Fluck
Unter den Neubildungsmineralien seien Monohydrokalzit und die Konkretionen von Aragonit erwähnt, die unterschiedliche Formen und Färbungen aufweisen. Einen wichtigen Platz in dieser Gruppe nehmen auch Ca- und Ca-Mg-Arsenate ein. Sie sind von R. Pierrot (1964) und H. Bari (1982) erforscht worden. Pikropharmakolith und Pharmakolith sind davon am weitesten verbreitet. Erwähnen wir noch Fluckit, Rauenthalit und phaunouxite (letzterer benannt nach Phaunoux, der französischen Bezeichnung für das Rauenthal). Die Vorkommen von Sainte-Marie-aux-Mines werden als modellhafte Lagerstätte von Ca- und Ca-Mg-Arsenaten betrachtet.
Wir möchten darauf hinweisen, daß wir es einigen Amateuren und Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Mineralogie sowie der modernen Technik der Bergbau-Höhlenkunde verdanken, daß in den vergangenen Jahrzehnten mehrere bisher nicht beschriebene Mineralienarten entdeckt werden konnten.


Neue Mineralien, die erstmals in Sainte-Marie-aux-Mines beschrieben wurden
Bis heute wurden in Sainte-Marie-aux-Mines acht neue Mineralienarten entdeckt, von denen nur vier schon vor 1980 beschrieben worden waren. Es handelt sich um
  • ein Schwefelsalz :
    • Dervillit Ag2 As S2 Weil 1941

  • sieben Arsenate :
    • Ferrarisit Ca5H2(AsO4) 4 9H2O Bari 1980
    • Fluckit Ca Mn2+ H2 (AsO4) 2 2H2O Bari 1980
    • Mcnearit NaCa5H4 (AsO4) 5 4H2O Sarp et al. 1981
    • Phaunouxit Ca3 (AsO4) 2 11H2O Bari et al. 1982
    • Rauenthalit Ca3 (AsO4) 2 10H2O Pierrot 1964
    • Sainfeldit Ca5 (AsO4) 2 [AsO3 (OH)] 2 4H2O Pierrot 1964
    • Villyallenit (Mn2+, Ca, Zn) 5 (AsO4) 2 [AsO3 (OH)] 2 4H2O Sarp 1984
 
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.06.2007