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Die Mineralbildung
Herkunft des Artikels: Projekt Euromin www.cri.ensmp.fr/euromin/
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Lydie Touret (ENSMP)

Von geologischen Gesichtspunkten aus betrachtet, hängen die charakteristischen Besonderheiten der verschiedenen Fundorte in unserem Bergbaugebiet von der jeweiligen strukturellen Geologie ab. Die Gneise von Sainte-Marie-aux-Mines, die teilweise bis ins Vorkambrium zurückreichen, werden in zwei Gruppen eingeteilt: Es gibt die Biotit- und Sillimanit-Gneise und die "variablen" Gneise, die sich mit den anderen überlappen.

Die Erzgänge haben sich in bereits existierenden Bruchlinien von geologischen Schichten herausgebildet. Solche Bruchlinien rissen durch die Bewegungen der Erdrinde auf, besonders dort, wo der Fels relativ hart war. Dies ist bei den variablen Gneisen der Fall; sie enthalten die für den Bergbau interessantesten Erzgänge (Neuenberg, Altenberg). In den weicheren Biotit- und Sillimanit-Gneisen ist es nicht zu solchen starren Brüchen gekommen; die Erzadern sind hier unregelmäßig und gewunden (Bluttenberg). Die Leptynite brechen mit kurzen und zahlreichen Bruchlinien auf, die regelmäßig verteilt sind. Hier haben die Erzgänge eine geringe Ausdehnung; sie können jedoch sehr reichhaltig sein (Gebirgshänge nach Lothringen hin).

Hydrothermische Lösungen flossen durch die Bruchlinien und lösten dabei die metallischen Elemente auf, die in den alten Gneisen enthalten waren. Als sie der Oberfläche nahekamen und abkühlten, setzten sie die gelösten Substanzen wieder frei und konzentrierten sie in den Gesteinsspalten, die damit zu Erzgängen wurden. Oftmals liegen diese Gänge nicht auf einer Ebene, sondern bestehen aus mehreren Adern, die ein ganzes Bündel von Erzgängen bilden. Nach ihrer chronologischen Aufeinanderfolge kann man sechs Formationen unterscheiden:
 Formation 1: Kalzite mit Hämatit und Milchquarz. Diese Formation ähnelt der Paragenese, wie man sie in der Region von Brézouard beobachtet hat.

 Formation 2: Sie ist vor allem kupferhaltig - Karbonate und Quarz mit Weißgüldigerz, Chalkopyrit, Cubanit und Wismutminerale.

 Formation 3: Gediegenes Arsen, Arsenverbindungen. Der Übergang zwischen den Formationen 1 und 2 wird durch Ablagerungen von Lautit bestimmt, welchem das Rammelsbergit folgt.

 Formation 4: Galenit (Bleiglanz), Blende, Weißgüldigerz.

 Formation 5: Fluorin und Barytin, die sich vor allem im oberen Teil der Erzgänge absetzen

 Formation 6: Edelkarbonate mit Silbermineralien - die Formation, auf welcher der Ruhm der Lagerstätten von Sainte-Marie-aux-Mines beruht.
Die zahlreichen Erzgänge unterscheiden sich nach ihrer Ausrichtung und ihrer Paragenese. Sie können in vier Sektoren untergliedert werden :
  1. Die Erzgänge vom Typus Altenberg finden sich gewöhnlich in Gesteinsspalten mit Nord/Süd- oder Nordost/Südost-Ausrichtung. Sie enthalten silberhaltigen Bleiglanz in Siderit als Gangart. Mehrere typische Merkmale dieses Sektors haben es erlaubt, Verbindungen zu den Erzlagern von La-Croix-aux-Mines herzustellen sowie zu Lagerstätten im Schwarzwald (Prinzbach und Hauserbach im Kinzigtal). Die Mineralisierungen sollen sich im Tertiär abgesetzt haben, also in dem Erdzeitalter, in welchem auch der Rheingraben einbrach.
  2. Die Erzgänge vom Typus Neuenberg, die eine Ausrichtung Ost/West bzw. Ostsüdost/Westnordwest haben. Sie weisen die unterschiedlichsten Paragenesen auf; sechs Ablagerungen folgen hier aufeinander. Man findet diese Erzgänge im Rauenthal und im Tal der Petite-Lièpvre.
  3. Die Erzgänge auf lothringischer Seite des Vogesenkamms (Saint-Pierremont, Musloch) ähneln dem Typus Neuenberg, aber die antimonhaltigen Weißgüldigerze (Tetraedrit) sind hier besonders reich an Silber.
  4. Die Erzgänge des Bluttenbergs weisen eine gemischte und vereinfachte Paragenese auf. Sie sind arm an Silber, und bemerkenswert ist hier die oberflächliche Oxydationszone.
 
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.04.2002