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| Eine kurze Geschichte der Bergwerke von Sainte-Marie-aux-Mines |
von Pierre FLUCK
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Die Abbildungen sind dem Buch MINERAUX ET MINES DU MASSIF VOSGIEN von Jean-Luc HOHL entnommen und werden hier mit Genehmigung des Autors reproduziert.
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Ihre Zusammensetzung ist eine andere: es handelt sich nunmehr um silberhaltige Kupfererze, und die Metallurgen kommen sehr schnell darauf, welchen Vorteil es bringt, sie durch Hinzufügung des Bleis vom Altenberg zu bearbeiten. Dazu verwendet man eine revolutionäre Technologie, das sogenannte Seigern, welches auf dem Territorium des heutigen Frankreich erstmals in den 1551 errichteten und 1995/96 ausgegrabenen Gießereien der Feudalherren vom Bonhomme angewendet wird. Die Geschichte der Entdeckung des Neuenberges wurde von einem gewissen Schüra um das Jahr 1585 aufgeschrieben und liest sich wie ein spannender Roman. Diese Erzadern führen zu einer erneuten Intensivierung des Bergbaus in Sainte-Marie. Von da an breiten sich die Aktivitäten ins obere Tal aus und führen zu dessen Besiedelung und zum Aufschwung des Dorfes Echery.
Die Silberproduktion erreicht in jenen Jahren ihren historischen Höchststand (3,5 Tonnen pro Jahr); man muß dazu anmerken, daß sie sehr vom Ertrag der reichsten elsässischen Grube aller Zeiten profitiert, der Grube Saint-Guillaume-aux-Bois in Saint-Pierremont auf den Besitzungen der lothringischen Herzöge. Die Lage verschlechtert sich um das Jahr 1575 erneut. Mehrere Gründe sind für das Abflauen der Aktivitäten verantwortlich: ein ungesundes soziales Klima, das die Grenzlage der gerade gebildeten Siedlung von Sainte-Marie noch verschlimmert, die galoppierende Inflation angesichts der beginnenden Ausbeutung der gigantischen Silbervorkommen im amerikanischen Potosi, und schließlich - das ist der ausschlaggebende Faktor - das Desinteresse der Aktionäre, der Erben der Gründergeneration. Sie müßten sich nämlich um eine wenig oder überhaupt nicht rentable Erzgewinnung kümmern, denn die Kosten für den Abbau sind stark gestiegen.
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Zinkblendekristall - 5mm Sainte-Marie-Aux-Mines (Zinkgruben)
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Die ohnehin schon unregelmäßigen Erzadern werden immer schmaler, und das ist eine unumgängliche geologische Tatsache. Da die Konzessionäre auch nicht mehr imstande sind, die üblichen Löhne zu zahlen, ermutigen sie zum Pachten von Gruben.
Die "Lehnhäuer" bezahlen ihre eigenen Arbeiter und streichen den Erlös für die geförderten Erze selbst ein. So kommt es dazu, daß die Gruben nicht mehr nach den Regeln der Bergbaukunst ausgebeutet werden. Alle Gründe für einen allmählichen Niedergang sind beisammen, und der berühmte Fund eines 592 Kilogramm schweren Silberblockes im Jahre 1581 ist, um den Ausdruck von Camus Hengelmann aufzunehmen, nur "ein Blitz in langer Nacht". Und dennoch zieht sich der Abbau noch über etliche Jahrzehnte hin, und aus zwei Gründen unterstützen die Feudalherren ihn energisch: es war prestigeträchtig, Silberminen zu besitzen und auszubeuten (das fiel unter die königlichen Rechte), und dann führten auch die gelegentlichen spektakulären Einzelfunde dazu, daß sich zahlreiche Legenden um die Gruben von Sainte-Marie rankten ... Die technischen Neuerungen hatten mit der Zeit Schritt gehalten; man muß dabei besonders auf die Hydraulikanlagen zur Wasserableitung verweisen, richtiggehende technische Wunderwerke, und auf die Einführung des Schießpulvers im 17. Jahrhundert, was für die Bohrungstechniken eine völlige Umwälzung bedeutete.
Das letzte Stündlein sollte den Minen dann im Dreißigjährigen Krieg schlagen, den man immer als eine Art jähes Ende für die Bergbauaktivitäten hingestellt hat. In Wirklichkeit war es jedoch ein langer Todeskampf. Im Jahre 1634 war der Abbau noch nicht eingestellt. Seit Oktober gab es aber kein Geld zur Bezahlung der Bergarbeiter. Im Januar 1635 läßt man den Generalbergwerksinspektor der österreichischen Vorlande kommen; er läßt daraufhin durch die Regentschaft von Ensisheim eine ganze Serie völlig utopischer Anordnungen erteilen. Das soziale Klima verschlechtert sich rapide; Truppen mißhandeln die Reisenden und verüben Plünderungen. Am 7. Mai 1635 flieht der Kunstmeister, und das Wasser strömt in die Tiefe zurück. Es dauert jedoch neun volle Monate, bis die Stollen völlig überflutet sind; zwischendurch stürzt auch noch der Erbstollen ein und beschleunigt damit den Wassereinbruch ... Aber erst am 30. September 1637 ist das "Verderben", von dem uns ein außerordentlicher Korpus an Archivdokumenten mit geradezu dramatischer Intensität berichtet, komplett: ein Teil der verbliebenen Bevölkerung ist an Hunger gestorben, der andere im Elend - und von da ab verstummen die Quellen.
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| Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.06.2007 |
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