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Eine kurze Geschichte der Bergwerke von Sainte-Marie-aux-Mines
von Pierre FLUCK
Die Abbildungen sind dem Buch MINERAUX ET MINES DU MASSIF VOSGIEN von Jean-Luc HOHL
entnommen und werden hier mit Genehmigung des Autors reproduziert.
Sebastian Münster ("Cosmographie", 1552), dem der Landrichter Haubinsack im Jahre 1545 die Örtlichkeiten vorgeführt hatte, sagt ganz klar, wie es zur Wiederentdeckung der Erzadern kam: die Vielzahl der alten eingebrochenen Schächte (der sogenannten Pingen), die sich auf dem Bergkämmen aneinanderreihten, erregte die Aufmerksamkeit der Erzschürfer: "[...] nach dem hin unnd wider durch das ganze Thal auß schier auff allen bergen ohn zahl die alten Schächt / so man Bingen nennt / befunden wurden / daran man augenscheinlich auch nach etlicher alten geschrifften / noch heutigen Tags sehen mag / daß vor etlich hundert jahren ein mechtig groß Bergwerck da gewesen ist [...]."
Im Jahre 1502 läßt Bruno von Rappoltstein das erste Bergwerk eröffnen, die "Fundgrube" in den Tiefen des Tals von Fertrupt. Er leitet und finanziert das Unternehmen gleichermaßen. Allerdings ruiniert er sich, so daß ihn seine Cousins und sein Onkel absetzen. Sie ernennen daraufhin einen renommierten Ingenieur zum Bergwerksdirektor, Conrad Boltzenschnitzer, den Bergmeister der österreichischen Vorlande.
Aber zu einem wirklichen Auflodern der Bergbauaktivitäten der Rappoltsteiner kam es erst 22 Jahre nach Eröffnung der "Fundgrube". Diese Phase sollte ein Jahrzehnt dauern. Zu dieser Zeit sind auch die Bergwerke der lothringischen Herzöge, und zwar sowohl in Sainte-Marie als auch in La-Croix-des-Mines, auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Entwicklung. Ein untrügliches Zeichen dafür ist das gewaltige Ausmaß der Schürfungsaktivitäten: auf lothringischer Seite sind allein für das Jahr 1529 nicht weniger als 137 Mundlöcher von Versuchsstollen bezeugt.

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken !
Gediegenes Silber
Sainte-Marie-Aux-Mines
Höhe 34mm

Dieses Stück ist bereits in A. Lacroix Buch "Minéralogie de la France et de ses colonies" abgebildet.
Diese Dynamik fand ein wenig später auch auf elsässischer Seite ihre Entsprechung. Die großen Bergbauzentren am Altenberg öffnen eines nach dem andern zwischen 1524 und 1534. Der erste Bergrichter, Heinrich Berneck, wird im Jahre 1526 ernannt, und im Jahre 1527 verkündet man die Bergwerksordnung.

Die Bergarbeiter strömen zu Tausenden herbei (man spricht vom "Berggeschrey"); sie kommen aus dem Rheinland und aus Mitteleuropa, aber nicht, um hier unerhörte Schätze zu suchen, sondern einfach, weil es eine Menge freier Stellen gab! Die Dynamik wurde von dem Kapital ausgelöst, welches die Konzessionäre eingebracht hatten. Das ist etwas ganz anderes als der "Goldrausch" des 19. Jahrhunderts, schon allein aus dem Grund, daß die Erze nicht in Form von alluvialen Lagerstätten vorlagen, sondern in unterirdischen Adern, deren Ausbeutung ein technisch kompliziertes Know-how und kostspielige Investitionen erforderte (bis zu 200 Arbeiter pro Grube).

Im übrigen haben die berühmten Einzelfunde, auf die sich das Renommee dieser Bergwerke gründete, das Auflodern der Aktivitäten nicht ausgelöst; sie waren vielmehr eine Folge des neuerwachten Interesses. Der vom Bergwerksvermesser vorgenommene sehr enge Zuschnitt der Konzessionen führte dazu, daß die Grubenbesitzer bald die nahende Erschöpfung ihrer Lagerstätten kommen sahen und versuchten, den ihnen zugewiesenen Raum zu überschreiten, um das Gelände des Nachbarn zu erforschen oder auszubeuten. Daraus resultierten Rechtsstreitigkeiten von unentwirrbarer Komplexität, die man "unterirdische Kriege" genannt hat. Wenn man nämlich immer tiefer schürft, bekommt man immer größere Probleme mit den Wasseransammlungen, dem senkrechten Hinaufwinden der Erze und des Gesteins und mit der Beförderungsdauer bis zum Arbeitsplatz. Die Betriebskosten steigen also an. Auch der Durchstich sehr langer Stollen zur Wasserableitung (so etwa des Erbstollens) kann das Problem nur teilweise lösen, denn manche Gruben (so die Grube Rumpapum) treiben ihre Schächte an den Erzsäulen schon bis in eine Tiefe von 200 bis 300 Metern unter der Talsohle. Deshalb treten seit etwa 1545 deutliche Zeichen einer Erlahmens der Aktivitäten zutage. Um das Jahr 1550 geschieht etwas Außerordentliches: man entdeckt Schlag auf Schlag die sieben Erzadern des Gangsystems vom Neuenberg im Süden von Echery.
 
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.06.2007