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Walter GABRIEL

Die Mineralogie und Kristallographie hat mich als Mineraliensammler schon sehr bald interessiert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich als Elektronen-Mikroskopiker den Weg über die Fotografie und neuerdings auch über den PC zu den Kristallen suchte und fand.

Die fotografische Tätigkeit beginnt bei mir beim Beurteilen der Stufe, des Kristalls mit Hilfe des Stereomikroskops. Es ermöglicht die Sauberkeit der Stufe vor der Aufnahme zu überprüfen. (Eigentlich sollte es Sache des Auftraggebers, des Sammlers sein, seine Stufen gekonnt zu reinigen. Nur in Ausnahmefällen übernehme ich diese Arbeit an nicht sensiblen Stufen, an denen ich sicher gehen kann, dass beim Reinigen kein Schaden eintreten könnte).
Im weiteren kann ich auch schon unter dem Mikroskop sehen, welches wohl die geeigneteste Position für eine Aufnahme ist. Eine Stufe kann aus der Sicht des Mineralogen/Kristallographen oder aus der Sicht des Aesthetikers betrachtet werden. Nicht immer lassen sich beide Aspekte miteinander vereinbaren und aufs Bild bringen. Vor allem braucht es eine Portion mineralogische und fotografische Kenntnisse, wenn man sich der Mineralienfotografie widmen möchte.
Leider gibt es auch Stufen, die zwar aesthetisch schön, für eine gute Aufnahme aber nicht geeignet sind und bestenfalls ein Belegfoto erlauben.

Nach der mikroskopischen Begutachtung kann ich beginnen, die Stufe vor dem Kameraobjektiv aufzubauen. Spätestens jetzt muss ich als Designer fungieren und mir im Klaren darüber sein, welchen Ausschnitt ich fotografieren möchte, welches Objektiv (bzw. welchen Abbildungsmassstab) ich einsetzen möchte.
An dieser Stelle muss ich berücksichtigen, dass mir das Stereo-Mikroskop ein 3D-Bild mit hoher Tiefenschärfe gezeigt hat. Die Kamera kann dieses im Normalfalle nicht nachvollziehen. Hier ist die Tiefenschärfe viel kleiner - sie kann aber durch richtige Plazierung des Motivs vor der Optik bestmöglich ausgenutzt werden.
Das plastische Erscheinungsbild einer Aufnahme lässt sich durch eine ideale Lichtführung steuern. Ein Einsatz von 2 Fotolampen sei schon angebracht.

Apropos Licht: Die Sonne liefert uns viel Licht. Aber zu jeder Tageszeit und zu jeder Jahresperiode ist dies in seinem Farbenspektrum anders zusammengesetzt - das heisst es hat jeweils andere dominierende Farbnuancen. Als Beispiel kann man den Extremfall der untergehenden Sonne hernehmen: das ausgestrahlte Licht ist rötlich. Für uns Fotografen bedeutet das nichts anderes, als dass ein weisses Motiv mit dieser untergehenden Sonne beleuchtet, einen Rotstich hat und auf dem Film kein reines Weiss mehr ergibt. Und das wollen wir ja schliesslich nicht. Gut, man kann sagen, dann fotografiere ich halt über die Mittagszeit. Das funktioniert auch einigermassen gut, sofern es nicht gerade Hochsommer ist. Denn dann haben wir wieder zuviel Blauanteil im Lichtspektrum. Und so kommt ein Wenn und Aber nach dem anderen. Was ist, wenn keine Sonne scheint oder es stürmt und regnet ?
Ich glaube, dem engagierten (Hobby-)Fotografen bleibt nur der Weg über das definierte Kunstlicht, das dem Filmmaterial (oder auch umgekehrt) angepasst ist. Jetzt erst kann man mal daran denken, die Vorbereitungen für die erste Aufnahme ins Auge zu fassen: Stufe oder Kristall in Position bringen, mit den Lampen spielen um die Lichtführung zu optimieren, ausgeleuchtete Stufe kritisch durch die Kamera prüfen, Belichtungsmessung, Motiv scharfstellen, gegebenenfalls Blende und Verschlusszeit einstellen, Spiegel vorauslösen und zum Schluss den Kameraverschluss betätigen.
Diese Vorgang ist abhängig vom verwendeten Kameratyp, von der Kamera-Ausstattung und kann deshalb teils ganz anders ablaufen.

Wohin mit den Bildern und Dias. Die Archivierung ist ein altes und ewiges, viel diskutiertes Problem unter den Fotografen. Hier muss ein jeder seine für sich beste Lösung finden. Einer, der in einem halben Jahr 2 Film belichtet, sagt sich, mir genügen die Diamagazine oder Fotoalben im Handformat. Der Engagiertere stellt schon grössere Anforderungen und verlangt nach einem kleinen Archiv (z. B. Ordner), während die Profis ohne Archivschränke nicht mehr auskommen.

Wer sich gar der 3D-Fotografie verschrieben hat, so wie ich sie ab und zu auch betreibe, muss mit nicht zu unterschätzenden finanziellen Aufwand rechnen. Sie erfordert aber auch Sachkenntnisse, damit Aufnahmen mit guten, nicht übertriebenen 3D-Effekten entstehen.
Wer mit einer Kamera (oder 2 synchrongeschalteten, sofern dies das aufzunehmende Motiv überhaupt zulässt) arbeitet, hat natürlich den Vorteil , dass jedes der beiden belichteten Monobilder (Halbbilder) ohne Einschränkung wie eine vollwertige Einzelaufnahme verwendet werden kann..

Das idealste Filmmaterial ist der Diafilm. Denn auf ihm sehen ich, was ich fotografiert habe (bei Bildern ab Negativ ist der Eingriff des Fotolabors vorhanden - und was dort passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis).
Ausserdem sind für mich Dias sehr gut geeignet für Druckvorlagen, Publikationen, Diaschauen, zum Scannen...um nur einige Punkte zu nennen.

Ein weiterer Punkt, der mich beschäftigt, ist die digitale Bildverarbeitung. Dieses Thema alleine ist schon sehr umfassend und könnte ein Hobby für sich darstellen. Aber wie überall, muss auch hier erst einmal tüchtig inverstiert werden. Um zu Resultaten zu gelangen, die sich sehen lassen können - heisst es natürlich lernen und üben, üben. Ohne an dieser Stelle weiter auszuholen, verweise ich auf meine Publikation im LAPIS 1999.

Walter GABRIEL


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